Chili und Paprika vorziehen Foto- © Andrea Heistinger

Crashkurs Chili-Anzucht: kleines 1×1 der Vorkultur

Groß, klein, dick, dünn, mild, scharf: Paprika und Chili wecken die Sammlerleidenschaft. Foto: © Andrea Heistinger

Groß, klein, dick, dünn, mild, scharf: Paprika und Chili wecken die Sammlerleidenschaft. Foto: © Andrea Heistinger

Wer im Sommer eigene Chilis ernten möchte, sollte jetzt mit der Aussaat beginnen. Was zu beachten ist, damit die wärmeliebenden Schoten auch auf eurem Balkon gedeihen, weiß Gartenexpertin Andrea Heistinger.

Das Anbauen von Chilis ist ein lohnendes Abenteuer, in das man sich getrost auch als Einsteiger stürzen kann, denn die Pflanzen sind je nach Sorte relativ pflegeleicht, solange sie genügend Wärme und Licht bekommen. Und das Gefühl, wenn man im Herbst die ersten selbstgezogenen Chilis zum Würzen und Verschenken erntet, ist unbezahlbar. Hält man sich an ein paar Grundregeln und an unseren Crashkurs zur Chili-Anzucht kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Chilis sind kälteempfindlich und brauchen sehr lange, bis sie erntereif sind: je nach Sorte bis zu vier Monate. Daher gehören sie zu den Pflanzen, die man fast nicht früh genug aussäen kann. Da die frostfreie Zeit in unseren Breiten kurz bemessen ist und bei einer Aussaat im Mai die Ernte durch die ersten kalten Herbstnächte gefährdet sein könnte, ziehen wir sie zuhause vor.

Es gibt überraschend viele Chilisorten, die auch unterschiedlich in Geschmack und Schärfe sind. Neben Ingwer und Vanille ist Chili das dritte Gewürz, dem eine stark aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird: Der Körper reagiert auf die Chilischärfe ähnlich wie auf Schmerz, nämlich mit der Ausschüttung von Endorphinen, die nicht nur schmerzunempfindlicher, sondern auch euphorischer machen.

Die scharfe Gewürzpflanze heizt also nicht nur dem Körper ordentlich ein, sondern wirkt wie eine legale Glücksdroge! Das ist doch der perfekte Grund, um diese Pflanzen selbst anzubauen.

Alles, was man zur Anzucht der scharfen Schoten wissen muss, erklärt Andrea Heistinger ausführlich in ihrem Handbuch Bio-Balkongarten, die ersten Schritte von Aussaat bis zu Abhärtung der Jungpflanzen findet ihr hier:


 

Chilis am Fensterbrett vorziehen – kleines 1×1 der Vorkultur:

Chilis brauchen sehr lange zum Keimen, deshalb ist es ideal, wenn man schon im März die Samen sät. Das Vorziehen von Chilis zuhause ist im Grunde nicht schwierig, hält man sich an einige Grundregeln, ist die eigene Chilizucht am Balkon oder im Garten ein Kinderspiel.

Wichtig: Man braucht ein warmes und helles Plätzchen, zum Beispiel eine Fensterbank mit einem Heizkörper darunter, als Gefäß verwendet man am besten eine herkömmliche Aussaatschale, kleine Töpfe und Quelltöpfe eignen sich aber ebenso.

Chilis sind sehr kälteempfindlich, sie brauchen deshalb gleichmäßige Wärme und Feuchtigkeit. Die Erde für die Aufzucht muss sehr fein sein und durchgehend gut befeuchtet.

Die Aussaat

In die Aussaatschale wird zunächst Erde gefüllt,

In die Aussaatschale wird zunächst Erde gefüllt, diese wird leicht angepresst und mit einem feinen Strahl befeuchtet. Nach der Aussaat werden die Chilisamen mit Erde übersiebt und Erde und Samen leicht angedrückt, damit die Samen guten Erdkontakt haben. Illustration: © Stefan Emmelmann

 

Jede Kulturpflanze hat eine optimale Keimtemperatur und eine Mindestkeimtemperatur. Bei der optimalen Keimtemperatur keimen die Samen am raschesten und viele Auflaufkrankheiten (meist Pilze, die die kleinen Pflänzchen befallen und rasch hinwegraffen), haben keine Chance, die Pflanzen wachsen ihnen einfach davon. Paprika keimen erst zügig ab 22 °C, Chilisorten keimen am besten bei 25-28 °C.

Chili und Paprika vorziehen © Andrea Heistinger

Praktisch auf kleinem Raum: ein beheizbares Zimmer-Gewächshaus fürs Fensterbrett. Foto: © Andrea Heistinger

Zu niedrige Temperaturen sind die häufigste Ursache, wenn Chilisamen nicht keimen wollen.

Einfache Hilfsmittel, um den Samen genügend Wärme für die Keimung bereitstellen zu können:

• Aufstellen der Aussaatschalen über einer Wärmequelle wie einem Heizkörper oder einem Kachelofen (allerdings Vorsicht vor dem Austrocknen – am besten mit einer Sprühflasche immer wieder leicht befeuchten).

• Im Fachhandel erhältlich sind Heizmatten für die Jungpflanzenanzucht, die man genau regulieren kann.

Neben der Temperatur braucht ein Samen zunächst Feuchtigkeit, damit die Keimprozesse in Gang kommen können. Ein keimendes Samenkorn darf niemals austrocknen, es darf aber auch nicht zu lange im Wasser liegen, sonst erstickt es. Das Gießen sollte auch nur mit einem sanften Strahl geschehen.

Pikieren

Die Pflanzen werden im Keimblattstadium (zirka drei Wochen nach der Aussaat) pikiert, d.h. sie werden etwas tiefer in den Topf eingesetzt, als sie vorher standen. Nach dem Pikieren brauchen die Pflanzen nicht so viel Wärme, 20–22 °C sind ideal.

Mit dem Pikierstab ein Loch in die Erde stupfen, die Wurzeln einkürzen und die Pflanze setzen. Dann kommt die nächste Pflanze an die Reihe. © Stefan Emmelmann

Mit dem Pikierstab ein Loch in die Erde stupfen, die Wurzeln einkürzen und die Pflanze setzen. Dann kommt die nächste Pflanze an die Reihe. © Stefan Emmelmann

  • Mit dem Pikierstab die Pflanzen einzeln oder büschelweise vorsichtig aus der Aussaatschale heben. Die kleinen Pflänzchen sind sehr verletzlich, daher behutsam und ohne Handschuhe arbeiten.
  • Anschließend wird Pflanze für Pflanze wie folgt behandelt: die Wurzeln der Pflanzen um ca. ein Drittel mit dem Fingernagel einkürzen. Dies regt das Wurzelwachstum an.
  • Mit dem Pikierstab in die Pflanzerde ein Loch stupfen, dann das kleine Pflänzchen so im Pflanzloch versenken, dass die Wurzeln wieder nach unten schauen. Sie dürfen keinesfalls umgebogen sein, dies führt unmittelbar zu Wachstumsverzögerungen. Dann die Pflanzen gut andrücken und gießen.
  • Nach dem Pikieren die Pflanzen gut angießen und nicht in die pralle Sonne stellen, idealerweise 2–3 Tage schattieren.

Abhärten

Chili und Paprika vorziehen

Chili aus Vietnam. Foto: © Andrea Heistinger

Sind die Pflanzen deutlich weitergewachsen, können sie an warmen Tagen ins Freie gestellt werden (in Glashäusern gut lüften). Dieses Abhärten ist bei Paprikasorten besonders wichtig, damit die Pflanzen beim Aussetzen keinen Freilandschock (= Wachstumsstopp, von dem sie sich lange nicht erholen) erleiden.

Etwa acht bis zehn Wochen nach der Aussaat ist es dann soweit: die Jungpflanzen können gepflanzt werden (vorausgesetzt, die Tages- und Nachttemperaturen lassen das auch zu!). Chilisorten aus der Art Capsicum chinense (z.B. ‚Habañero‘) bevorzugen meist deutlich höhere Temperaturen in der Vorkultur und brauchen auch zwei bis drei Wochen länger, bis sie groß genug zum Auspflanzen sind.

In Gegenden mit sehr niedrigen Nachttemperaturen empfiehlt es sich, die Pflanzen (insbesondere wärmeliebende Chilisorten) bis Ende Juni in kalten Nächten an einen warmen Ort zu bringen oder die Pflanzen über Nacht vor Kälte zu schützen. Hier kann ein aufgespannter Regenschirm schon gute Dienste leisten, auch große Gurkengläser und Kübel eignen sich als Kälteschutz.

• Kann man die Pflanzen überwintern?

Handbuch Bio-Balkongarten 380 x 510• Was muss ich beim Aussetzen der Jungpflanzen beachten?

• Welche Sorten eignen sich für meinen Balkon? 

• Was muss ich zu Düngung, Wasserbedarf und Pflanzengesundheit wissen?

→ In Andrea Heistingers Standardwerk „Handbuch Bio-Balkongarten“ könnt ihr alles nachschlagen, was ihr zur reichen Ernte auf kleiner Fläche wissen müsst!

Alle Sorten, alle Techniken und viele bebilderte Schritt-für-Schritt Anleitungen machen euren Balkon zu einer blühenden Stadtoase, auch für Urban Gardener, Selbstversorgerinnen, Küchengärtner und Hochbeet-Architektinnen gibt es zahlreiche Anregungen für ein ergiebiges Gartenjahr.