Foto: Thomas Apolt

Crashkurs Wildpflanzen sammeln: Aus der Natur auf den Teller!

Brennnessel; Foto- © Thomas Apolt

Eine Wildpflanze, die leicht zu erkennen und auch für Anfänger geeignet ist: Die Brennnessel. Foto- © Thomas Apolt

Grünes Licht für Kräutersammler!

Zahlreiche Wildpflanzen lassen sich ganz einfach in der Natur sammeln und zubereiten. Mit den wertvollen Tipps von unseren Wildpflanzenprofis Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner könnt ihr euch voller Elan in die Natur stürzen und eure Körbe mit den gesunden Köstlichkeiten aus den Wäldern und Wiesen füllen. Auf zum Wildpflanzen sammeln!

Hier findet ihr die wichtigsten Grundregeln aus ihrem Buch So schmecken Wildpflanzen

Was für ältere Generationen noch selbstverständlich war, nämlich Brenn- von Taubnesseln (die nicht einmal verwandt sind) zu unterscheiden oder den Reifegrad von Hagebutten zwischen Zeigefinger und Daumen zu spüren, müssen wir uns heute wieder mit ein wenig Aufwand und Auslauf erarbeiten. Das macht aber nichts, weil Gehen gesund gegen Stress und Grün gut für die Augen ist. 😉 Und für herrlich aromatische Gerichte mit Wildpflanzen lohnt sich der Aufwand ganz gewiss – da müsst ihr uns vorerst einmal vertrauen.

1. Mehrere Wege führen zu den essbaren Wildpflanzen

  • Du fängst mit den Pflanzen an, die du ganz sicher kennst und die sehr häufig (auch im Garten) zu finden sind, z. B. Brennnessel, Holler, Löwenzahn, Beifuß, Spitzwegerich, Taubnessel oder Hagebutten.
  • Du eröffnest ein Fundbüro und organisierst Sammelwanderungen mit Freundinnen und Freunden oder den lieben Nachbarinnen und Nachbarn – jede und jeder kennt andere Pflanzen, reiche Ernte ist wahrscheinlich und mehr Menschen merken sich mehr Plätze fürs nächste Mal.
  • Du gehst es langsam an und beobachtest eine möglichst artenreiche Wiese über ein Jahr hinweg. Meist weiß man eine Pflanze erst nach der Blüte sicher zu identifizieren. Wenn die Pflanze aber vor der Blüte gesammelt werden soll, ist es gut, sie auch in diesem Stadium zu erkennen. Pflanzenwissen kann man sich nicht erlesen, man kann es sich nur ergehen und erfahren.
  • Du nimmst an einer Kräuterwanderung – von denen leider noch viel zu wenige angeboten werden – oder an einem Wildpflanzenkurs teil, um Pflanzen sicher erkennen zu lernen.
  • Du hast das Glück, einen Bauernhof in deiner Nähe zu kennen, der alte Sorten kultiviert, oder einen Marktstand, der auch wild gesammelte Pflanzen anbietet. Spitzenköche wie Meinrad Neunkirchner haben sich über Jahre ein Netzwerk an Lieferanten und Lieferantinnen auch für Wildpflanzen aufgebaut. Was spricht dagegen, das als Vorbild für die private Wildpflanzenversorgung zu nehmen?
Begehrt beim Wildpflanzen sammeln: Waldmeister, Foto: Thomas Apolt

Begehrt beim Wildpflanzen sammeln: Waldmeister. Foto: Thomas Apolt

Unser Tipp:
Notiere dir die Fundorte in einer Karte, nächstes Jahr wirst du über diese Gedächtnisstütze froh sein.

 

2. Achtung! Verwechslungsgefahr

 

Sammle nur, was du ganz sicher aufgrund des Aussehens und evtl. Geruches identifizieren kannst. Wir empfehlen dir nicht, im Zweifelsfall vom vermeintlichen Waldkerbel zu kosten, weil es sich dabei nämlich auch um den sehr giftigen Gefleckten Schierling handeln könnte. Das ist aber die einzig wirklich gefährliche Verwechslungsmöglichkeit unter unseren 30 Wildpflanzen.
Wir empfehlen dazu den praktischen Wildpflanzen-Wegbleiter, den du als Newsletterempfänger gratis auf unserer Website herunterladen kannst.

 

3. Im Sammeleifer

 

Es mag selbstverständlich sein, aber wir erwähnen es lieber trotzdem: Wildpflanzen, die auf dem Teller landen sollen, sammelt man nicht an Orten mit starkem Verkehr, neben Autobahnen oder Flughäfen, auch nicht direkt neben Viehweiden, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen oder in beliebten Hundeauslaufzonen. Bedauerlicherweise führt keine Straßenbahn direkt zum Sammelplatz und selbst vom noch so abgelegenen Parkplatz sollte man erst ein paar Minuten ins Grüne gehen, bevor man nach den gewünschten Pflanzen Ausschau hält.

Aus Gründen der Artenvielfalt und weil viele der Wildpflanzen auch Nahrung für andere Lebewesen sind, rupft man die Pflanzen weder mit Wurzel (es sei denn, genau die wird benötigt) aus der Erde noch erntet man Fundorte zur Gänze ab. Nimm nur jene Pflanzenteile und Mengen, die du wirklich brauchst (von manchen Pflanzen wie Brennnesseln, Löwenzahnblüten oder Schlehen brauchst allerdings mehr, als Ihnen während des Sammelns lieb sein könnte) und entferne Schmutz möglichst schon vor Ort. Je ordentlicher und sauberer du sammelst, umso leichter tust du dich später in der Küche.

Welche Pflanzen wann zu finden sind, lässt sich nicht einmal für einen genau definierten Ort vorhersagen, weil der Vegetationsverlauf stark von der Witterung abhängt und sich um Wochen vom Vorjahr unterscheiden kann.

Blüten solltest du wegen ihres zarten Aromas nur an trockenen Tagen sammeln, bei Blättern ist das nicht so heikel. Feuchte Pflanzen müssen jedoch rasch verarbeitet werden.

Tipp:

Wollt ihr noch mehr über die Vielfalt heimischer Wildpflanzen erfahren? 

In unseren Gärten, Wiesen und Wäldern wachsen wahre Aroma-Wunder, die nur darauf warten, für ihren Einsatz in der Küche entdeckt zu werden! Mit dem Buch „So schmecken Wildpflanzen. 144 Rezepte vom Meister der Aromen“ von Meinrad Neunkirchner und Katharina Seiser seid ihr bestens mit allen nützlichen Infos und köstlichen Rezeptideen ausgestattet!