Foto- Moritz Wildenauer

Pilze selber züchten – so wachsen die besten Speisepilze in deinem Haus und Garten!

Schlaraffenland für Pilzliebhaber: Taubenblaue Austernseitlinge im Waldviertler Pilzgarten

Schlaraffenland für Pilzliebhaber: Taubenblaue Austernseitlinge im Waldviertler Pilzgarten. Foto: Magdalena Wurth

Sie sind gesund, lassen sich das ganze Jahr über anbauen, bevölkern dankbar die schattigen Ecken deines Gartens, liefern hochwertige vegane Proteine, können mehrmals im Jahr geerntet werden und in punkto Nachhaltigkeit sind sie unschlagbar: Die Vorzüge von selbst angebauten Pilzen sind so vielfältig, dass es uns fast schon unheimlich ist.

Wenn du bei der Schwammerlsuche im Wald also öfter leer ausgehst, deinen eigenen Champignons beim Wachsen zusehen möchtest, oder auf den Geschmack von selbstgezogenen Speisepilzen aus deinem eigenen Garten kommen möchtest, dann ist unser Guide für Pilzfarmer in spe genau das Richtige für dich.

Shiitake, Austernseitling, Reishi oder Champignon – genauso abwechslungsreich, wie die große  Auswahl an Speisepilzen, die du in unseren Breiten kultivierenkannst, sind auch die Möglichkeiten, das Projekt Pilzzucht aufzuziehen. So gibt es Pilzfarmen in stillgelegten Lagerhallen, Kellern oder in Wald-/Obstgärten.

Zaunkonstruktion für Shiitakestämme im Waldviertler Pilzgarten

Zaunkonstruktion für Shiitakestämme im Waldviertler Pilzgarten. Foto: Magdalena Wurth

Bei unseren Autoren Magdalena und Herbert Wurth sieht es ein bisschen aus, wie in einem Märchenwald mit angeschlossener Forstmeile. Ein Parcours aus pilzüberwucherten Baumstämmen und an Drahtseilen baumelnden Stämmen erwartet uns in einem weitläufigen, moosbedeckten Garten. Und tatsächlich muss man sich hier gelegentlich sportlich betätigen, denn um das Wachstum der Shiitake-Pilze zu wecken, werden sie ordentlich durchgeschüttelt, erklärt uns Magdalena Wurth eine kuriose Eigenart der asiatischen Pilzsorte, die ansonsten aber durchaus für Pilzzucht-Einsteiger geeignet ist.

Einen eigenen Wald braucht man übrigens gar nicht, um Pilze anzubauen. Für die ersten Schritte ist bereits ein schattiger Balkon oder Kleingarten vollkommen ausreichend, in der Wintersaison eignen sich auch Waschküchen oder Keller großartig für dein kleines Indoor-Paradies für Champignons und Co. Pilzzucht funktioniert saisonunabhängig und auch auf kleinstem Raum.

Bei 12–25° C und relativ hoher Luftfeuchtigkeit fühlen sich die meisten Sorten wohl, Licht ist bei den meisten Pilzarten (außer dem Champignon) ein Faktor beim Züchten von Speisepilzen. Um an Nährstoffe zu gelangen haben sie jedoch eine faszinierend große Anzahl an Möglichkeiten entwickelt, die für einzelne Pilzarten ganz charakteristisch sind. Das macht sie — je nach Sorte — zu durchaus pflegeleichten und sehr vielseitigen Gartenschätzen.

Die beiden Autoren Magdalena und Herbert Wurth beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der Kultivierung von Speisepilzen. Foto: Benedikt Wurth

Die beiden Autoren Magdalena und Herbert Wurth beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Anbau von Speisepilzen. Foto: Benedikt Wurth

Mit einigen wichtigen praktischen Tipps kannst du zu jeder Jahreszeit die geeigneten Pilze biologisch und nachhaltig anbauen.

In diesem Interview mit Auszügen aus ihrem Buch „Pilze selbst anbauen“ erklärt dir Autorin Magdalena Wurth deswegen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zu deinem ersten unwiderstehlichen Ragout aus selbstgezogenen Champignons.

Liebe Magdalena, was fasziniert dich an der Pilzzucht, wie hat alles angefangen?

Pilze sind unglaublich spannende Lebewesen. Sie sind ja keine Pflanzen und wachsen dementsprechend ganz anders. Erst wird die sogenannte Pilzbrut im Labor hergestellt. Sie besteht aus Bio-Roggen, Bio-Hirse, Buchenspänen und natürlich aus dem „Myzel“ der jeweiligen Pilzart. Was wir dann letztlich sehen und ernten wollen sind die Fruchtkörper, die aus dem großen Myzelgeflecht entstehen.

Die Pilzzucht hat mich schon immer in Ihren Bann gezogen. Mein Vater hat bereits vor 30 Jahren mit einer Hobby-Pilzzucht im eigenen Garten begonnen und sich durch Vorkenntnisse im mikrobiologischen Sektor schnell mit der Zucht im Labor befasst. Mich hat das Pilzfieber dann im Laufe meines Studiums an der Universität für Bodenkultur so richtig gepackt und ich verbrachte mit meinem Vater viel Zeit im Pilzgarten. Die Arbeit an unserem gemeinsamen Buch „Pilze selbst anbauen“ gab mir die Möglichkeit mein Wissen zu vertiefen.

Faszination Pilze selber züchten: Nicht nur köstlich, manche Sorten sind durchaus auch farbenfroh und spektakulär.

Faszination Pilze selber züchten: Nicht nur köstlich, manche Sorten sind durchaus auch spektakuläre Blickfänge. Foto: Magdalena Wurth

Warum Pilze selber züchten? Was sind die Vorteile?

Pilze selbst anzubauen hat viele wunderbare Vorzüge. Einerseits wird klarer, welche Bedeutung, welche Arbeit und welch unschätzbarer Genuss es ist, eigene Lebensmittel anzubauen. Anderseits ist es die Freude, die man erfährt, wenn da kleine Pilzansätze am Stamm entdeckt werden und innerhalb von so kurzer Zeit zu stattlichen Pilzen heranwachsen. Beim Anbau von Pilzen auf Holzstämmen (Laubholz) kann gut bis zu 6 Jahre geerntet werden, und das sogar mehrmals pro Jahr! Wenn man einen eigenen Garten, schattigen Balkon, Terasse oder Keller hat, kann mit relativ geringem Aufwand eine große Vielfalt an Speisepilzen gezüchtet werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Pilze am liebsten auf schattigen Standorten wachsen, und so oft ungenutzte Gartenbereiche zusätzlich genützt werden können. Ich denke all diese Vorteile sprechen für sich und sind wohl mit ein Grund für die wachsende Beliebtheit der selbst-angebauten Pilze.

Wie gelingt der Start, was sind die perfekten Einsteiger-Pilze?

Es müssen einige Standortfaktoren passen: ein schattiges, feuchtes Plätzchen im Garten oder auf dem Balkon ist von Vorteil. Weiter sollte es einen Wasseranschluss in der Nähe geben. Und natürlich gehört auch ein bisschen Fürsorge und Pflege dazu.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, ist ein wunderbarer Pilz zum Starten z.B der Shiitake oder unterschiedliche Arten von Austernseitlingen. Diese Pilze sind ertragreich und nicht sehr pflegeintensiv. Es gibt einerseits die Möglichkeit, frisches wintergeschlägertes Laubholz selbst mit der sogenannten Pilzbrut zu beimpfen oder sich einen bereits beimpften Stamm zu kaufen. Beides ist bei uns im Waldviertler Pilzgarten erhältlich.

Braucht man einen eigenen Garten oder können Pilze zum Beispiel auch im Topf gezüchtet werden?

Eine gute Alternative zum Anbau im Garten ist der Pilzstamm im Topf, Strohpellets-Kulturen, oder auch die Zucht auf eigenem Kaffeesud. Hier ist man nicht an den Garten gebunden, sondern hat die Möglichkeit, auch auf dem eigenen Balkon, im Keller oder in der Küche Pilze selbst anzubauen.

Auch in Töpfen kann man Pilze anbauen: Reishi in Töpfen

Auch in Töpfen kann man Pilze anbauen: Im Bild Reishi im Topf. Fertigkulturen, Substrat und bereits geimpfte Stämme erleichtern Anfängern den Einstieg. Foto: Magdalena Wurth

Was würdest du jemandem empfehlen, der als Garten-Anfänger in die Pilzzucht einsteigen will. Kann man das überhaupt? Was muss man beachten?

Für Pilz-EinsteigerInnen kann ich empfehlen, sich einen bereits beimpften Stamm zu besorgen und schon im selben Jahr ganz unkompliziert Pilze zu ernten. Bei Einhaltung der Anleitung bringen diese Stämme 3-6 Jahre lang Pilze hervor und können in der Regel von Frühjahr bis Herbst beerntet werden. Mit relativ wenig Aufwand und Vorkenntnissen kann man also mit Fertigkulturen zu schönen Ergebnissen kommen und schnell seine ersten Pilze selber züchten.

Leicht zu züchtende Pilzarten sind der Waldviertler Austernseitling, der taubenblaue Austernseitling oder der Shiitake. In unserem Buch werden viele tolle Methoden vorgestellt, die zudem praktisch und ertragreich sind.

Das große Praxisbuch zum Pilze selber züchten: Pilze selbst anbauen von Magdalena und Herbert Wurth

Alles für den Anbau – Das große Praxisbuch zum Pilze selber züchten: Pilze selbst anbauen von Magdalena und Herbert Wurth

Seid Ihr neugierig geworden? Werft doch einen Blick in Magdalena und Herbert Wurths Bestseller „Pilze selbst anbauen“, dem Standardwerk zum Thema Pilzzucht mit allen Informationen und Tipps für eure eigene üppige Kultur an schmackhaften Pilzen. 

Egal ob im Garten, auf dem Balkon, in der Küche oder im Keller, in diesem Praxisbuch findet ihr für jede Pilzsorte einen Stamm, für jedes Myzel ein Substrat und für jedes schattige Plätzchen eine köstliche kleine Pilzkolonie, die reiche Ernte verspricht. 🍄