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Kartoffeln selbst anbauen: In 8 Schritten zur platzsparenden Kartoffelpyramide!

Foto: © Norbert Karner

Ob gekocht, gebraten, frittiert oder püriert: Kein Gemüse landet hierzulande öfter auf dem Teller als die Kartoffel. Und das mit gutem Grund: Es ist nicht nur die wunderbare Vielfalt an köstlichen Kartoffelgerichten, die unser Herz höher schlagen lässt. Es sind auch die inneren Werte, die aus dem oft unterschätzten Gemüse eine unwiderstehliche Vitalbombe machen: Leicht verdauliche Stärke, Eiweiße, Mineralstoffe und jede Menge Vitamine — die tolle Knolle ist ein richtiges Superfood aus regionalem Anbau.

⇒ Lust auf Kartoffeln? Hier findest du Zubereitungstipps und köstliche Rezepte!

Und weil es selbst angebaut natürlich am besten schmeckt, zeigt dir Doris Kampas in diesem Auszug aus ihrem neuen Buch „Biogärten gestalten“, wie du schon bald Kartoffeln aus deinem eigenen Garten oder sogar von deinem Balkon servieren kannst. Denn dazu brauchst du gar keinen großdimensionierten Kartoffelacker — ein paar Quadratmeter im Garten oder ein freies Eck auf deiner Terrasse reichen für diese kreative Anbautechnik vollkommen. Sehr geringer Aufwand, gute Erträge, große Freude und im späten Frühjahr eine Augenweide im Garten — sogar für den gemeinsamen Gartenspaß mit Kindern ist die Kartoffelpyramide ein Erfolgsrezept. Mit dieser Anleitung steht deinen Kartoffeln Marke Eigenanbau nichts mehr im Wege!

Um in einem normalen Gartenbeet 15 Kilogramm Kartoffeln ernten zu können, benötigst du etwa fünf Quadratmeter Anbaufläche. Den gleichen Ertrag erreichst du mit der Kartoffelpyramide schon auf einem Quadratmeter Grundfläche!

Die Kartoffelpyramide ist die perfekte Option, wenn

  • dein Gemüsegarten nicht allzu groß ist
  • die Erde in deinem Garten sehr schwer ist und zu Staunässe neigt
  • du einen „Bauschutt“-Boden oder den Platz über Flächenkollektoren nutzen musst
  • du einen optisch reizvollen Akzent im Gemüsebeet setzten willst
  • du Kartoffeln auf Balkon, Terrasse oder Dachgarten anbauen möchtest

 

Vier Holzrahmen bilden die Kartoffelpyramide

Vier Holzrahmen bilden die Kartoffelpyramide. Foto: © Norbert Karner

Der Aufbau

Eine Kartoffelpyramide besteht aus vier etwa 20 Zentimeter hohen quadratischen Holzrahmen. Der unterste Rahmen hat beispielsweise eine Seitenlänge von 100 Zentimeter. Die weiteren Holzrahmen werden jeweils um 90 Grad versetzt auf den darunter liegenden Rahmen aufgesetzt und zwar so, dass die Ecken des oberen Rahmens direkt auf den Kanten des unteren aufliegen. Sie sind daher entsprechend kleiner.

Durch den pyramidalen Aufbau ergibt sich eine größere Anbaufläche. Die Pflanzkartoffeln haben genug Raum für die Entwicklung und setzen zahlreiche Knollen an. Das Holz des Rahmens ist förderlich, da es auf ganz natürliche Weise die Wärme reguliert. Die vier Holzrahmen kannst du mit etwas handwerklichem Geschick selbst zusammenbauen. Alternativ gibt es auch Modelle zum Kaufen.

Wichtig ist hier die Wahl des richtigen Holzes. Eine Pyramide aus Fichtenholz wird kaum mehr als eine Anbausaison überstehen an einer Konstruktion aus z.B. unbehandeltem Lärchenholz hast du hingegen lange Freude.

Alles, was du für deine Kartoffelpyramide brauchst.

Alles, was du für deine Kartoffelpyramide brauchst. Foto: © Norbert Karner

Für die Verwendung auf befestigten Flächen wie Terrassen und Balkonen ist der Einbau eines Bodens erforderlich unbedingt mit Abflusslöchern, um Staunässe zu vermeiden. Zum Schutz des Holzes darf der Boden nicht direkt auf dem Untergrund aufliegen. Abhilfe schaffen 12 Zentimeter hohe Leisten, die du auf der Unterseite montieren kannst.

Bepflanzung, Pflege und Ernte

Material und Vorbereitung

Erde:

Besorg dir ausreichend Erde für deine Kartoffelpyramide: Bei Grundmaßen von 100 × 100 Zentimeter benötigst du 450–500 Liter. Verwende gute, gesiebte Gartenerde gemischt mit Feinkompost. Oder du kaufst gute Bio-Erde im Fachgeschäft oder bei einem Erdenwerk.
Verwende keinesfalls frischen Mist oder eine stark aufgedüngte Erde. Zu viele Nährstoffe beeinträchtigen den Geschmack der Kartoffeln.

Wühlmausgitter:

Da auch Kartoffeln auf dem Speiseplan von Wühlmäusen stehen, empfehle ich dir den Einbau eines Wühlmausgitters am Grund der untersten Etage der Pyramide.

Saatkartoffeln:

Besorge dir biologische Saatkartoffeln. Wie wäre es mit einer ausgefallenen Sorte, z.B. einer blauen oder einer rotschaligen Kartoffel? Es gibt mittlerweile viele interessante Sorten, die Abwechslung auf deinen Teller bringen. Für eine Kartoffelpyramide mit einer Grundfläche von einem Quadratmeter benötigst du 18 Setzkartoffeln, das entspricht etwa 11,5 Kilogramm.
Falls du die Ernte ein wenig nach vorne verlagern möchtest, müssen die Kartoffeln vorkeimen. Lege dazu die Saatkartoffeln ab Mitte März für zwei bis drei Tage in einen rund 20 °C warmen Raum. Danach kommen sie wieder bei etwa 15 °C in den Keller. Wichtig ist, dass du die Kartoffeln ausschließlich in einer Lage z.B. in eine Obst- oder Holzkiste legst und nicht übereinander. Für die Keimung benötigen die Kartoffeln Licht der Kellerraum sollte also ein Fenster haben. Nach 6 Wochen also Ende April haben sich zahlreiche rund zwei Zentimeter lange, biegsame Keime gebildet. Nun ist der richtige Zeitpunkt, um die Kartoffeln zu setzen.

Vorgekeimte Kartoffeln erhöhen den Ertrag.

Vorgekeimte Kartoffeln erhöhen den Ertrag. Foto: © Norbert Karner

PRAXIS-TIPP:

Vorgekeimte Kartoffeln sind zwei bis drei Wochen im Wachstum voraus. Durch diesen Entwicklungsvorsprung sind sie weniger anfällig für Krankheiten und wachsen kräftiger und dichter, was den Aufwand für das Jäten von Unkraut reduziert. Zudem sind sie früher erntereif bei gleichzeitig höherem Ertrag und besserer Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe und der Schalenfestigkeit.

Anbau

Der beste Zeitpunkt für das Legen der Kartoffeln ist Ende April bis Mitte Mai.

Eine alte Bauernregel besagt:

Legst mi im April, komm ich, wenn ich will
Legst mi im Mai, komm ich glei …

Natürlich ist der richtige Anbauzeitpunkt letztlich vom Wetter abhängig. Zu früh gesetzte Kartoffeln entwickeln sich etwas verhaltener, da sie empfindlich auf die kühlen Nächte reagieren.

Die Arbeitsschritte

1. Befülle den ersten Rahmen der Kartoffelpyramide mit Erde — allerdings nur etwa bis 8—10 Zentimeter unter den Rand.

1. Befüll den ersten Rahmen der Kartoffelpyramide mit Erde – allerdings nur etwa bis 8–10 Zentimeter unter den Rand.

Foto: © Norbert Karner

2. Setze den zweiten Rahmen diagonal auf den ersten auf.

2. Setze den zweiten Rahmen diagonal auf den ersten auf.

Foto: © Norbert Karner

3. Lege in die entstandenen Ecken je zwei Saatkartoffeln — also insgesamt 8 Stück. Der Abstand der beiden Saatkartoffeln muss so groß wie möglich sein. Die Kartoffeln dürfen aber auch nicht ganz am Rand liegen.

3. Setze den zweiten Rahmen diagonal auf den ersten auf.

Foto: © Norbert Karner

4. Bedecke die Saatkartoffeln bis zur Oberkante des Holzrahmens mit Erde und befülle den zweiten Rahmen, wieder bis einige Zentimeter unter den Rand.

4. Bedecke die Saatkartoffeln bis zur Oberkante des Holzrahmens mit Erde und befülle den zweiten Rahmen, wieder bis einige Zentimeter unter den Rand.

Foto: © Norbert Karner

5. Auf den zweiten Holzrahmen folgt diagonal der dritte …

Auf den zweiten Holzrahmen folgt diagonal der dritte. Dadurch entstehen wieder Ecken – wobei diesmal nur jeweils eine Saatkartoffel in jede Ecke gelegt wird.

Foto: © Norbert Karner

… dadurch entstehen wieder Ecken — wobei diesmal nur jeweils eine Saatkartoffel in jede Ecke gelegt wird.

... dadurch entstehen wieder Ecken – wobei diesmal nur jeweils eine Saatkartoffel in jede Ecke gelegt wird.

Foto: © Norbert Karner

 

6. Gib wiederum Erde auf die Pflanzkartoffeln und in den dritten Rahmen und bepflanze diesen genauso wie den zweiten.

6. Gib wiederum Erde auf die Pflanzkartoffeln und in den dritten Rahmen und bepflanze diesen genauso wie den zweiten.

Foto: © Norbert Karner

7. In der vierten und damit letzten Etage finden noch zwei Kartoffeln Platz.

7. In der vierten und damit letzten Etage finden noch zwei Kartoffeln Platz.

Foto: © Norbert Karner

8. Gieß zum Abschluss deine Kartoffeln großzügig.

Pflege

Nach ein bis zwei Wochen siehst du bereits das erste Grün. Wenn es etwas kräftiger entwickelt ist, häufel die Kartoffeln mit etwas Erde an aber überdecke sie nicht komplett!

Regelmäßiges Gießen ist wichtig, da die Kartoffeln für ihre Entwicklung und die Ausbildung der Knollen viel Wasser benötigen. Staunässe mögen sie allerdings nicht, weshalb eine Kartoffelpyramide mit Boden unbedingt Abflusslöcher braucht.

Die ersten Kartoffelblätter zeigen sich nach kurzer Zeit.

Die ersten Kartoffelblätter zeigen sich nach kurzer Zeit. Foto: © Norbert Karner

Hast du gute mit Kompost gemischte Erde oder hochwertige Bio-Erde verwendet, dann kannst du ruhig etwas sparsam mit Dünger sein. Zu viel Dünger würde die Qualität und den Geschmack der Knollen beeinträchtigen, da die Pflanzen die gesamte Energie in das Wachstum der Blätter verlagern. Dünge mit biologischen Jauchen (z.B. Brennnessel-Jauche) und langsam wirkendem organischem Feststoff-Dünger.

Ernte

Wie wissen wir nun, dass die Kartoffeln reif für die Ernte sind? Du erkennst es am Kraut. Ab Sommermitte bis Herbstbeginn werden die Blätter welk und sterben schließlich ab. Ernte die Kartoffeln aber nicht sofort, sondern lasse sie noch 23 Wochen nach Absterben des Krautes im Boden nachreifen. Damit wird die Schalenfestigkeit und somit die Lagerdauer erhöht. Geh bei der Ernte behutsam vor. Verwende  keine spitzen Hacken, um die Kartoffeln nicht zu beschädigen. Stumpfe Schaufeln oder schlicht und einfach deine Hände sind gute Erntegeräte.

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Welke Blätter sind ein Zeichen für die Reife der Kartoffeln. Foto: © Norbert Karner

Nimm bei der Ernte den umgekehrten Weg. Heb zuerst den obersten Holzrahmen von der Pyramide ab und ernte alle in diesem Rahmen befindlichen Kartoffeln. Stell vorab eine große Erntekiste bereit. Denn wenn du bis zum untersten Rahmen vorgedrungen bist, wirst du 1520 kg Kartoffeln geerntet haben.

Für die Ernte brauchst du eine große Gemüsekiste. 15-20 kg Kartoffeln kann man mit einer Pyramide dieser Dimension ohne Weiteres ernten.

Für die Ernte brauchst du eine große Gemüsekiste. 15—20 kg Kartoffeln kann man mit einer Pyramide dieser Dimension ohne Weiteres ernten. Foto: © Rita Newman

Verwertung der Erde

Für eine sinnvolle Verwertung der Erde aus der Kartoffelpyramide findest du hier ein paar Anregungen:

  • Auf dem Komposthaufen bildet sie zusammen mit den anderen Materialen wertvollen
    Kompost.
  • Lass die Erde im Herbst einfach im Garten liegen und bepflanze den Minihügel mit Mittel- oder Schwachzehrern wie Steckzwiebeln oder Asia-Salaten.
  • Gib sie als Zwischenschicht oder abgemischt in der Gras- und Laubschicht auf ein neues Hügel- oder Hochbeet.
  • Verwende bei der Ernte auf dem Balkon einen großen Gartensack als Zwischenlager für die Erde. Mit neuer Erde vermischt kannst du sie für Pflanztröge oder -kisten verwenden.

 

Mach deinen Garten zum essbaren Paradies!

Viele weitere Tipps zur Gartenplanung, jede Menge detaillierte Pläne für alle Gartengrößen und ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du im umfangreichsten Gartenplanungsratgeber auf dem Markt.

Genaue Anleitungen für jede Garten- und Familiengröße

Egal, ob klein oder groß, südseitig oder mit Hanglange, als Mini-Balkongarten oder im Reihenhaus für eine mehrköpfige Familie. Mit Doris Kampas’ praxiserprobten Tipps und genauen Anleitungen wird es auch bei dir bald üppig blühen und wachsen: duftendes Basilikum im Kräuterhügel, wunderschöne Rosenbögen als Gestaltungselement, Naschecken mit süßen Beeren und vitaminreiche Asia-Salate im Winter. Ganz genau erklärt die Frau mit dem grünen Daumen, wie viel Stunden du einplanen musst und was im Jahreskreislauf zu tun ist.

Weitere praktische Anleitungen zum Gärtnern auf kleinem Raum findet Ihr auf Doris Kampas‘ lesenswertem Blog bio-garten.at: Kleine Fläche – große Ernte