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Ein Stück Natur im asphaltierten Dschungel – Imkerei mal anders!

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Der Genuss von selbst gewonnenem Honig ist der Lohn für die Arbeit der vorangegangenen Monate. Es zahlt sich aus!

Das Summen der Bienen übertönt in vielen Städten schon das Brummen der Motoren. Es herrscht Bevölkerungszuwachs in schwarz-gelb! Wie das nach Zeiten des vieldiskutierten Bienensterbens gemeint sein kann?! Die Antwort lautet in diesem Fall
Urban Beekeeping
. Nicht nur am Land erlebt die Imker-Leidenschaft eine Renaissance. Den Gemeinschaftsgärten und Bauernkisten schließt sich seit geraumer Zeit ein neuer Trend an: Die Stadtimkerei.

Zwischen verwilderten Grundstücken, reich bepflanzten Balkonen und Parks bietet die scheinbar bienenfeindliche urbane Zone den gestreiften Alleskönnern einen vielfältigen Lebensraum um sich tierisch wohl zu fühlen. Aber nicht nur die Bienen profitieren von dem wachsenden Interesse an ihrer Zucht. Viele Neo-Imker schwärmen von dem selbst gewonnen Honig und dem Ausgleich zum alltäglichen Tumult der Großstadt.

Dass Bienenzucht nicht nur Hobby, sondern Lebenseinstellung ist, weiß Ingolf Hofmann nur zu gut. Seit über 40 Jahren steht er im Dienste der Bienenkönigin und hat nun in seinem Buch „Imkern leicht gemacht“ alles Wissenswerte zusammengetragen, um zukünftigen Bienen-Begeisterten den DIY-Einstieg zu erleichtern.

Wir haben ihm zum Erscheinen seines Buches einige Fragen gestellt: 

🐝🐝🐝

Lieber Ingolf, warum glaubst du erfreut sich die Imkerei in den letzten Jahren eines so starken Zulaufs?

Ich denke, die Sensibilität gegenüber Umweltfragen und –zusammenhängen ist unglaublich gestiegen. Ich merke das bei Gesprächen mit Freunden und Nachbarn. Es kommt immer gleich die Frage: Wie geht es den Bienen?

Es betrifft die Leute, wenn plötzlich Stille ist am blühenden Kirschbaum. Das ist meines Erachtens ein Grund, warum der Zulauf so groß ist: Die neuen Imker wollen aktiv etwas in ihrem Umfeld bewirken. Es kommt hinzu, dass Imkerei durchaus ein anspruchsvolles Hobby ist. Ich erfahre das immer wieder bei meinen Anfängerkursen, dass Neuimker (das gilt für alle Altersgruppen) ein Stück weit die Herausforderung suchen.

Wie hast du deine Leidenschaft fürs Imkern entdeckt — wie kam es, dass du Imker wurdest?

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Fleißige Bienen bei der Arbeit! Zwischen 3- 5 Bienenvölker hält Ingolf Hofmann für den idealen Bienenstand für alle Neo-Imker.

Mein Zugang zur Imkerei war ein klassischer: Der Nachbar hatte Bienen, was als Kind mein Interesse weckte: Da rannte einer herum in Vollvermummung und eines Tages fragte ich ihn, wie so eine Königin aussieht. Dass die kein Krönchen aufhatte, fand ich enttäuschend. Doch mein Interesse war geweckt, der nächste Schritt war dann logischerweise mein erstes eigenes Bienenvolk beim Nachbarn und dann dauerte es nicht mehr lang, bis die ersten Bienenvölker bei mir einzogen.

So lief das früher überall: Fast jeder Landwirt hatte ein paar Stöcke, weil er nämlich wusste, dass diese für ordentlich Äpfel und Birnen auf den Bäumen sorgen. Und Honig gab es natürlich auch.

Der Vater hat es an die Kinder weitergegeben.
Genau bei dieser Wissensvermittlung gab es in den 1960er Jahren eine Unterbrechung: Nach und nach waren die alten „Bienenväter“ nicht mehr da und ein neuer Imker galt als Exot. Das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert.

Welchen Rat würdest du einem absoluten Anfänger geben, der mit dem Gedanken spielt, sich auf das Experiment Imkerei einzulassen?

Imkern als Experiment ist grundsätzlich ganz schlecht. Erfolgreich sind diejenigen, die sich erst einmal ein Bild verschaffen: Habe ich die Zeit dazu? Ist mir bewusst, dass einige Investitionen nötig sind? Es wäre gut, bei einem Imker erstmal einige Male mitzuhelfen. Dann stellt sich schon heraus, ob einem die Sache liegt. Ist die Entscheidung gefallen, gilt es, sich erst einmal zu informieren, sich gut vorzubereiten, ein paar Bücher zu lesen (ganz besonders meines 😉), einen Anfängerkurs zu besuchen und Kontakte zu Imkern in der Nachbarschaft zu knüpfen. Wird diese Reihenfolge eingehalten, läuft es dann meistens von allein…

Was sind die idealen Plätze für den eigenen Bienenstock, welche Orte sollte man unbedingt meiden?

Ein sonniger, windgeschützter Platz in Süd-Ost-Ausrichtung wäre optimal. Man sollte den Platz leicht erreichen können, wenigstens mit dem Schubkarren. Gut wäre es, wenn man täglich mal vorbeischauen kann. Unbedingt notwendig ist das aber nicht.

Ungeeignet sind Ackerfluren ohne Struktur, windige Kammlagen oder eine Ausrichtung nach Norden. Außerdem: Ist der Nachbar Bienen-Allergiker, sollte man ihm die Bienen nicht unmittelbar über die Terrasse fliegen lassen.

Gänzlich ungeeignete Standorte für Bienen gibt es fast nicht: In Wien stehen Völker auf Hochhäusern, ein Freund hat welche auf seinem Balkon. Dem Vermieter würde ich das aber schon sagen.

Wie kostenintensiv ist die Anschaffung eines Bienenvolkes?

Am teuersten ist ein Zuchtvolk mit gekennzeichneter Königin im Frühjahr — ein solches kostet zur Zeit 150 Euro und mehr. Ableger während der Flugsaison (Mai bis August) sind um 100 Euro und darunter zu haben. Einfache Brutwaben-Ableger ohne zugesetzter Königin sind noch einmal günstiger. Bienenschwärme gibt es im Frühjahr und Sommer mitunter geschenkt.

Wie viel kostet die Ausstattung?

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Dass die Bienenzucht auch dem Arterhalt und somit der Umwelt dient, ist ein großartiger Nebeneffekt dieser schönen Beschäftigung.

Diese Frage lässt sich nicht mit einer Summe beantworten. Denn die Investition richtet sich nach der Zahl der Völker. Kosten lassen sich sparen, wenn eine Imkerei übernommen wird und gebrauchte Gerätschaften da sind.

Um dennoch eine Summe zu nennen: Startet man mit drei Völkern, ist mit ca. 1500 € zu rechnen, inkl. Honigschleuder.

Ist es empfehlenswert sich fertiges Zubehör anzuschaffen, anstatt selbst Hand anzulegen?

Eine Honigschleuder kann man nicht selbst bauen, aber es gibt sie vielleicht gebraucht. Das gilt auch für grundsätzliches Handwerkzeug wie Schutzkleidung oder Rauchgerät. Ein bedeutender Kostenfaktor sind die Bienenbehausungen, Rähmchen, Ablegerkästen —  das ganze Drumherum aus Holz. Hier kann man viel Geld sparen, weshalb ich in meinem Buch besonders auf den Selbstbau von Beuten und Co. eingehe.

Wie groß sollte der ideale Bienenstock sein?

Gemeint ist hier wohl der Bienenstand bzw. die Zahl der Völker am Beginn: mindestens 3, maximal 5 wären gut. Dann ist der Ausfall eines Volkes nicht so schlimm, weil ein anderes schwärmt und man somit ein weiteres Volk gewinnt. Die Zahl der Völker sinkt auch bei anfänglichen Misserfolgen nicht zu weit ab. Es bleiben immer noch einige Völker übrig und es gibt auch Honig. Damit bleibt die Motivation erhalten. Auf der anderen Seite ist eine überschaubare Zahl von Bienenvölkern anfangs wichtig, damit nicht das Chaos ausbricht und der Neuimker den Überblick verliert. Am Anfang eine Imkerei mit 20 Völkern zu übernehmen, geht garantiert schief.

Wie viel Zeit nimmt die Bienenbetreuung täglich/ übers Jahr gesehen in Anspruch?

Ich gehe in der Flugsaison täglich zu den Bienenvölkern, um einen kurzen Blick auf sie zu werfen. Arbeit ist das nicht. Einmal pro Woche sehe ich die Völker durch. Ich kalkuliere dabei 15 Minuten pro Bienenkasten. Diese Angabe gilt von Mitte März bis Mitte August. Außerhalb der Flugsaison brauche ich Zeit für gelegentliche Kontrollen. Im Winter arbeite ich tageweise an Rähmchen oder Reparaturen von Bienenkästen.

Wie sieht ein herkömmlicher Tag im Leben eines Imkers aus?

Hier bin ich ratlos: Er beginnt mit einem Honigbrot… 🍯 😀

Wie würdest du die ideale Größe eines Bienenvolkes beschreiben?

Je größer ein Bienenvolk ist, desto mehr Ertrag bringt es dem Imker. Das hängt wesentlich davon ab, ob er die richtigen Arbeiten am Bienenvolk zur richtigen Zeit vornimmt. Ein Bienenvolk auf 5 Etagen sieht im Juni aus wie ein Turm mit über 70 000 Einwohnern. Für Imker sind das die idealen Vorzeige-Völker, die durchaus ihre 50 bis 60 Kilogramm Honig sammeln. Um ein solches Volk zu bearbeiten, stemmt der Imker bei einem Eingriff mehrere Zentner – was er dann in der Regel nicht mehr so ideal findet.

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Ingolf Hofmann: Imkern leicht gemacht! Das ganze Wissen über die natürliche Bienenhaltung

Wann ist die arbeitsintensivste Zeit im Jahr?

Im Juli und August gibt es mehrere Arbeitsspitzen: Honig schleudern, gegen Bienenschädlinge behandeln und Gabe des Winterfutters. Dafür nimmt die Arbeitsintensität ab September deutlich ab. Wenig zu tun, ist hingegen in der Zeit von November bis Februar.

Kann das Imkern als Hobby betrieben werden oder ist es ein Vollzeitjob?

Im Schnitt liegt die Zahl der Bienenvölker pro Imker in Österreich stabil zwischen 13 und 15 Völkern. Damit ist klar, dass die meisten Bienenhaltung als Hobby betreiben. In dieser Form wird man einen Tag der Woche zwischen März und August dafür vorsehen müssen. Bei entsprechender Vorbereitung lässt sich auch einmal eine Woche auslassen. Das bedeutet:

Auch ein Imker darf einmal Urlaub machen!

🐝🐝🐝

Seid auch ihr begeistert von den kleinen schwarz-gelben Alleskönnern? Habt ihr Lust bekommen auf Zeit in der Natur, Arbeit mit Bienen und eigenen Honig? Dann nichts wie ran an die Waben – mit viel Emsigkeit und Ingolf Hofmanns „Imkern leicht gemacht“ lernt ihr die Kunst des Bienenhaltens im Handumdrehen. Das große Imker-Einmaleins, praktische Bauanleitungen mit Bildern und viel Wissenswertes rund ums Imkern helfen euch dabei!