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Mehr als Beilage: Gemüse und warum wir es so lieben

In allen erdenklichen Farben lacht uns der Teller entgegen. Eine bunte Geschmacks- und Farbkomposition, die nicht nur Gaumen und Auge verzaubert, sondern den gesamten Körper mit einem umfassenden Nährstoffpaket stärkt! Ganz ohne Doping … Und ganz ohne Fleisch!

Gemüse hat seinen verstaubten Ruf als Beilage abgestreift und sich in die erste Liga der Hauptgerichte vorgekämpft. Denn es kann mehr als die Nebenrolle – und beweist uns immer wieder, welche ungeahnten Geschmackserlebnisse die vielfältigen Vitaminbomben liefern können – ganz besonders, wenn man sie kombiniert!

Für Tina Ganser ist das als Ernährungswissenschaftlerin nichts Neues. Wie aufregend die gesunde, fleischlose Küche sein kann, beweist sie uns mit ihrem Buch „Gemüseliebe“. Auf über 260 Seiten liefert sie uns eine delikate Liebeserklärung. Zu ihren Angebeteten zählen Zucchini, Kartoffeln, Karotten und Co. Verständlich, wenn man erst mal einen Blick in das Buch geworfen hat.

Bewusste und dabei vor allem regionale, saisonale Ernährung macht aber nicht nur geschmacklich viel her, sondern ist auch ein wesentlicher Beitrag auf dem Weg zur nachhaltigeren Nutzung unserer Ressourcen. In diesem Auszug aus Gemüseliebe erfahrt ihr, wie ihr nicht nur euren Gaumen mit köstlichen Gartenschätzen verwöhnt, sondern wie ihr mit der richtigen Planung und Lagerung dazu beitragt, unnötige Abfälle zu vermeiden:

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Gemüse … in Geschmack und Farbenpracht unübertroffen! Foto: William Melling

Zero Food Waste

Zeit ist Geld … oder so ähnlich. Auf alle Fälle ist Zeit für viele von uns zu einem knappen Gut geworden. Die Auswirkungen sind in vielen Lebensbereichen spürbar, so auch beim Thema Essen. Soll heißen: Es wird nicht nur immer weniger selbst gekocht, sondern auch hektischer und weniger überlegt eingekauft. Kann man immer brauchen und fällt mir sicher noch etwas damit ein sind zu unserem Supermarkt-Credo geworden. Die Folge: volle Kühlschränke und Obstschalen, wobei oft nur ein kleiner Teil davon konkret benötigt wird. So verharren Tomaten und Co. häufig tagelang an ihrem Platz, ohne Hoffnung auf Verarbeitung, und sind zur Dekoration degradiert, nur um im letzten Schritt den Weg in den Müll zu finden. In Österreich allein werden jährlich 157.000 Tonnen genießbare Lebensmittel weggeworfen. Pro Kopf 40 Kilogramm pro Jahr.

Foto- William Melling

Da isst das Auge mit: Roter Quinoa mit Cocktailtomaten, Granatapfelkernen und Halloumi in Grünteekruste; Foto: William Melling

Das soll nicht nur nicht sein … Das darf so nicht bleiben! Findet auch unsere Autorin Tina Ganser und hat in ihrem Buch ein paar wertvolle Tipps gebündelt, wie ihr ganz einfach unnötige Lebensmittelverschwendung vermeiden könnt. Denn: Ein bewussterer Umgang mit unseren Lebensmitteln erspart der Umwelt unnötige Müllbelastung und uns Geld. Wo wir wieder beim Thema wären!

Die richtige Planung

Ein Essensplan für die kommende Woche kann Lebensmittelleben retten. Wer sich Zeit nimmt und überlegt, was die folgenden Tage auf den Teller kommen soll, ist vor dem bereits geschilderten Szenario gefeit. Tipp: Zuerst einen Überblick über bereits Vorrätiges verschaffen. Was habe ich noch da? Ist es noch genießbar? Was könnte ich damit in die Pfanne zaubern?

Ist die Lage erfasst, geht es an die konkrete Rezeptplanung. Wer weiß, was er will, spart sich Schlangenlinien im Geschäft und etwaigen Frust in der Küche. Mit einer solchen auf die Woche perfekt angepasste Einkaufsliste bleibt der Müll leer. Das freut die Umwelt … Und uns!

Die richtige Interpretation

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist eine nach EU-Recht vorgeschriebene Kennzeichnung von Lebensmitteln, die angibt, wie lange ein Produkt bei angeratener Lagerung mindestens seine spezifischen Geschmacks- und Nährwertqualitäten beibehält. Mindestens wird hier zum Schlüsselbegriff. Denn in den meisten Fällen ist das Lebensmittel noch sehr viel länger ohne gesundheitliche oder geschmackliche Bedenken genießbar. Interpretiert wird dieses mindestens allerdings zu oft als maximal. Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum klar vom Verfalls- bzw. Ablaufdatum zu trennen. Hier ist berechtigt Vorsicht geboten! Das Verfallsdatum, das oft Fleisch- oder Fischprodukte kennzeichnet, ist tatsächlich als Verzehrs-Deadline konzipiert. Bei Überschreitung dieses Datums kann die Entstehung von gesundheitsschädlichen Keimen nicht mehr ausgeschlossen werden. Das Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatums fordert jedoch nicht die sofortige Verbannung in den Müll.

Die richtige Lagerung

Auch mit der richtigen Lagerung können noch etliche genießbare Tage herausgeschlagen werden. Geöffnete Produkte verfallen natürlich schneller als ungeöffnete, können aber bei Aufbewahrung in einem luftdichten Behälter noch in top Verfassung bleiben. Was viele nicht wissen: Die Haltbarkeit ist auch vom Ort der Lagerung im Kühlschrank abhängig. Da warme Luft nach oben steigt, ist es in der obersten Schiene am wärmsten, unten folglich am kühlsten. Welche Lebensmittel wo im Kühlschrank im übertragenen Sinne aufblühen und welche Nachbarschaft von wem genossen wird, lest ihr in Tina Gansers wunderbarem Buch „Gemüseliebe“.

Damit ihr auch ganz sicher nicht widerstehen könnt, haben wir hier noch ein wunderbar köstliches und wunderbar nachhaltiges Rezept aus „Gemüseliebe“ für euch.

 

Ofenkartoffel mit bunten Dips

 

Die Zutaten

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Schmeckt herrlich und das Beste: Die nötigen Zutaten hat man fast immer Zuhause. Foto: William Melling

Als Basis:

4 große oder mehrere kleine Ofenkartoffeln

Für die Kür:

Babaganoush (Melanzani-Dip)

  • 2 Melanzani
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 EL Tahin
  • 1 Stiel Petersilie
  • 3 EL Olivenöl
  • Saft von 1/2 Zitrone
  • 1/2 TL Kreuzkümmel
  • Salz, Pfeffer

Karottendip

  • 600 g Karotten
  • 80 g Butter
  • 8 Zweige Thymian
  • 6 EL Wasser
  • Salz, Pfeffer
  • etwas Kresse

Guacamole

  • 4 Avocados
  • Saft von 1 Zitrone
  • Salz, Pfeffer

 

Die Zubereitung

    1. Für die Ofenkartoffeln Backofen auf 220 °C (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
      Kartoffeln gründlich waschen und eventuell abbürsten. In Alufolie
      wickeln und für rund 1,5 Stunden im Backofen backen.
    2. Für Babaganoush Melanzani rundherum mit einer Gabel einstechen. Auf ein Backblech legen und im Ofen 30–40 Minuten garen, bis sie weich sind. Aus dem Backofen nehmen und kurz abkühlen lassen. Die Haut abziehen und die Stiele entfernen. Melanzanifleisch mit Knoblauchzehen, Tahin und Petersilie pürieren. Olivenöl und Zitronensaft einrühren und mit Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer abschmecken.
    3. Für den Karottendip Karotten schälen und in Scheiben schneiden. Butter in einem Topf zergehen lassen und mit Thymian kurz aufkochen. Karotten hinzugeben und bei milder Hitze mit geschlossenem Deckel garen, bis sie weich sind. Thymian entfernen und Karotten mit Wasser pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Kresse garnieren.
    4. Für die Guacamole Avocados halbieren, den Kern entfernen und das Fruchtfleisch mit einem Löffel herauskratzen. Mit Zitronensaft pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
    5. Ofenkratoffeln mit den Dips servieren.

 

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Tina Ganser: Gemüseliebe

Für alle, die jetzt Hunger bekommen haben, die Gemüse so schätzen wie wir und alle, die noch mehr über die genussvolle Seite der bewussten Lebensmittelnutzung erfahren wollen, bietet Tina Ganser mit „Gemüseliebe“ die ideale Hilfestellung.

Blättert jetzt rein und stöbert in über 100 Rezepten aus den 10 beliebtesten Gemüsesorten! Taucht ein in die Vielfalt der farbenfrohen Vitalbomben und lernt Wissenswertes und Küchentipps zu Tomaten, Zucchini, Paprika und Co.